Produktfotografie mit Studiobeleuchtung

Glossar: Fotografie

Bokeh

Der visuelle Charakter unscharfer Bildbereiche, einschließlich Form und Struktur unscharfer Lichtpunkte.

Fotografie

Definition

Bokeh bezeichnet die visuelle Qualität der unscharfen Bereiche einer Fotografie. Gemeint ist die Art, wie ein Objektiv Unschärfe darstellt, nicht einfach die Stärke der Hintergrundunschärfe im Bild.

Wie Bokeh entsteht

Liegt eine punktförmige Lichtquelle außerhalb der eingestellten Schärfeebene, bildet das Objektiv sie als unscharfe Fläche statt als scharfen Punkt ab. Deren Größe, Helligkeitsverteilung und Randbeschaffenheit prägen das Bokeh. An vielen einzelnen Lichtpunkten lassen sich diese Eigenschaften besonders gut erkennen. Bokeh beeinflusst aber ebenso die Wiedergabe von unscharfem Laub, Möbeln und Stoffen sowie den allmählichen Übergang vom scharfen Motiv in die Unschärfe.

Die Blendenöffnung beeinflusst die Form unscharfer Lichtpunkte. Blendenlamellen mit geraden Kanten können beim Abblenden deutlich erkennbare Vielecke erzeugen, während abgerundete Lamellen eine rundere Öffnung erhalten können. Zum Bildrand hin können Abschattungen im Strahlengang Lichtpunkte katzenaugenförmig erscheinen lassen. Auch die Objektivkonstruktion und Abbildungsfehler bestimmen, ob Unschärfeflächen weich, stark umrandet, ungleichmäßig oder im Inneren strukturiert wirken.

Diese Eigenschaften verändern sich mit Blende, Fokusentfernung, Brennweite und Position im Bild. Ein Objektiv, dessen Unschärfewiedergabe in einer Szene sanft wirkt, kann in einer anderen einen unruhigen Eindruck erzeugen. Die Schärfentiefe beschreibt den Entfernungsbereich, der als ausreichend scharf wahrgenommen wird. Bokeh beschreibt dagegen die Wiedergabe außerhalb dieses Bereichs. Wer diese Begriffe auseinanderhält, kann Objektive gezielter vergleichen und gestalterische Entscheidungen präziser treffen.

Warum Bokeh wichtig ist

Auch unscharfe Bildbereiche lenken die Aufmerksamkeit. Helle Ringe hinter einem Gesicht können mit den Augen konkurrieren, selbst wenn der Hintergrund stark verschwimmt. Weiche Tonwertübergänge unterstützen ein ruhiges Porträt, markante Lichtformen passen möglicherweise besser zu einer lebhaften Abendszene. Entscheidend ist, ob das Bokeh der Bildaussage dient. Möglichst starke Unschärfe ist für sich genommen kein Qualitätsmerkmal.

Der Inhalt des Hintergrunds ist häufig wichtiger als kleine Unterschiede zwischen Objektiven. Ein helles Schild hinter dem Kopf einer Person bleibt auch unscharf eine auffällige Fläche. Sich wiederholende Geländerstreben können unruhige, überlagerte Linien bilden. Eine kleine Veränderung des Kamerastandpunkts beseitigt solche Ablenkungen oft wirksamer als weiteres Öffnen der Blende oder die Wahl eines Objektivs mit einem bestimmten Abbildungscharakter.

Besonders wichtig ist diese Balance bei einem Kopfporträt. Das Gesicht braucht ausreichend Schärfe, damit die Aufnahme bewusst gestaltet wirkt. Der Hintergrund sollte die Person unterstützen, statt den Unschärfeeffekt in den Vordergrund zu stellen. Bei einem Porträt im räumlichen Umfeld kann es wertvoller sein, erkennbare Zusammenhänge zu bewahren, als sämtliche Details der Umgebung in einer konturlosen Fläche aufzulösen.

Bokeh gezielt gestalten

Vergrößern Sie nach Möglichkeit den Abstand zwischen Motiv und Hintergrund. Gehen Sie nur dann näher an das Motiv heran, wenn die entstehende Perspektive und der Bildausschnitt weiterhin passen. Eine weiter geöffnete Blende kann unscharfe Lichtflächen vergrößern. Prüfen Sie dabei, ob die erforderlichen Motivdetails scharf bleiben. Eine andere Brennweite verändert auch den Bildausschnitt. Beurteilen Sie deshalb stets die gesamte Komposition und nicht allein die Unschärfe.

MaßnahmeZu erwartende BildwirkungWorauf Sie achten sollten
Weiter entfernter HintergrundStärkere Trennung vom scharf abgebildeten MotivVerbleibende helle Störelemente
Kleine Lichtquellen im HintergrundDeutlich erkennbare unscharfe LichtformenÜberlagerungen mit Gesichtern oder Produktkanten
Weiter geöffnete BlendeGrößere Unschärfeflächen und geringere SchärfentiefeSchärfe der wichtigen Motivdetails
Leicht veränderter KamerastandpunktAndere Anordnung des Hintergrunds zum MotivLinien, Schilder und helle Flächen
Moderates AbblendenBlendenform möglicherweise deutlicher sichtbarOb die vieleckigen Formen zum Bild passen

Vergleichen Sie Objektive möglichst bei gleicher Szene, gleichem Kamerastandpunkt, gleichem Bildausschnitt und gleichen Ausgabebedingungen. Andernfalls können Unterschiede beim Hintergrundabstand oder Abbildungsmaßstab das Ergebnis stärker prägen als die Objektive selbst. Prüfen Sie die Unschärfewiedergabe sowohl in der Bildmitte als auch an den Rändern. Betrachten Sie außerdem die Vordergrundunschärfe: Ein Objektiv kann Objekte vor der Schärfeebene anders wiedergeben als Objekte dahinter.

Praxisbeispiel: Porträt bei einem Abendempfang in Dubai

Ein Fotograf nimmt bei einem Abendempfang in Dubai ein Porträt auf. Hinter den Gästen befinden sich kleine dekorative Leuchten. Bei der ersten Testaufnahme entstehen große, helle Kreise, die sich mit Kopf und Schultern der porträtierten Person überlagern. Die Unschärfe ist ausgeprägt, das Bild wirkt jedoch überladen. Statt die größte Blendenöffnung als endgültige Lösung zu betrachten, verändert der Fotograf die Aufnahmesituation.

  1. Die Person weiter vom Hintergrund entfernen und dabei auf ausreichend Bewegungsfreiheit und einen sicheren Arbeitsbereich achten.
  2. Die Kamera seitlich versetzen, sodass die hellsten Leuchten nicht mehr unmittelbar hinter dem Gesicht liegen.
  3. Die Blende so wählen, dass die Schärfentiefe für die Augen und alle weiteren wichtigen Gesichtspartien ausreicht.
  4. Den Bildausschnitt so anpassen, dass einige gestalterisch sinnvolle Lichtformen statt einer dichten Wand aus Lichtpunkten erscheinen.
  5. Das Porträt in der vorgesehenen Ausgabegröße prüfen und beurteilen, ob der Hintergrund den Gesichtsausdruck unterstützt.

Der Fotograf kann einige erkennbare Lichtformen beibehalten, um die Atmosphäre des Empfangs zu vermitteln. Für ein anderes Porträt ließe sich am selben Ort ein ruhigerer Hintergrund wählen. Beide Varianten können überzeugen. Entscheidend ist, ob die Unschärfewiedergabe Motiv und Stimmung unterstützt, nicht ob jeder Lichtpunkt vollkommen rund ist oder der gesamte Hintergrund verschwindet.

Häufige Fehler im Umgang mit Bokeh

  • Wer Bokeh als Synonym für jede Hintergrundunschärfe verwendet, verwischt den Unterschied zwischen der Stärke der Unschärfe und ihrem visuellen Charakter.
  • Wer ohne Schärfekontrolle die größte Blendenöffnung wählt, riskiert unscharfe Motivdetails zugunsten eines dekorativen Hintergrunds.
  • Die Annahme, mehr Blendenlamellen garantierten besseres Bokeh, lässt Objektivkonstruktion, Bildinhalt und persönliche Vorlieben außer Acht.
  • Beim Objektivvergleich an unterschiedlichen Orten können Unterschiede im Hintergrund fälschlich als optische Eigenschaften der Objektive erscheinen.
  • Wer erwartet, dass Unschärfe jede Ablenkung beseitigt, unterschätzt die Wirkung von Farbe, Helligkeit und der Position großer Flächen.

Künstlich erzeugte Hintergrundunschärfe kann hilfreich sein. Prüfen Sie jedoch Haare, transparente Materialien, Spiegelungen und Zwischenräume zwischen Armen oder Beinen. Falsch erkannte Tiefengrenzen können den Effekt unnatürlich und von der Szene losgelöst wirken lassen. Optische Unschärfe verändert sich zudem allmählich mit der Entfernung. Eine gleichmäßig auf den gesamten Hintergrund angewendete Unschärfe entspricht daher möglicherweise nicht den räumlichen Verhältnissen der ursprünglichen Aufnahme.

Häufige Fragen

Ist Bokeh dasselbe wie ein unscharfer Hintergrund?

Nicht ganz. Hintergrundunschärfe beschreibt den Effekt beziehungsweise die Stärke der Unschärfe. Bokeh bezeichnet deren visuellen Charakter, etwa die Ränder unscharfer Lichtpunkte, ihre innere Struktur und den Übergang zwischen scharfen und unscharfen Bereichen. Zwei Bilder können also ähnlich stark verschwommene Hintergründe haben und dennoch ein sehr unterschiedliches Bokeh zeigen.

Brauche ich für gutes Bokeh eine sehr weit geöffnete Blende?

Nein. Entscheidend sind auch die Abstände zwischen Kamera, Motiv und Hintergrund, die Brennweite, der Hintergrundinhalt und die Abbildungseigenschaften des Objektivs. Schon eine moderat geöffnete Blende kann ansprechende Unschärfe erzeugen und zugleich mehr vom Motiv scharf halten. Die passende Einstellung ergibt sich aus der gewünschten Bildwirkung und der benötigten Schärfentiefe.

Warum sehen unscharfe Lichtpunkte manchmal vieleckig aus?

Ihre Form kann die Kontur der Blendenöffnung wiedergeben, besonders wenn das Objektiv abgeblendet wird. Die Anzahl und Form der Blendenlamellen beeinflussen dabei das Ergebnis. Allerdings bestimmen nicht allein die Lamellen die Lichtform: Auch andere optische Effekte können sie verändern. Vieleckige Lichtflächen sind deshalb zunächst ein Gestaltungsmerkmal, nicht automatisch ein Mangel.

Warum wirken Lichtpunkte am Bildrand länglich?

Bei Lichtquellen außerhalb der optischen Achse können Abschattungen im Strahlengang dazu führen, dass ihre unscharfen Abbilder oval oder katzenaugenförmig erscheinen. Wie stark dieser Effekt ausfällt, hängt von der Objektivkonstruktion, der eingestellten Blende und der Position des Lichtpunkts im Bild ab. Für eine sinnvolle Beurteilung sollten Sie deshalb nicht nur die Bildmitte betrachten.

Kann Software überzeugendes Bokeh erzeugen?

Das kann gelingen, besonders bei einer einfachen räumlichen Trennung von Motiv und Hintergrund. Feine Haarstrukturen, Glas, Spiegelungen und sich überlagernde Objekte in unterschiedlichen Entfernungen sind schwieriger. Prüfen Sie deshalb vor allem Konturen und Übergänge statt nur den verschwommenen Hintergrund. Glaubwürdig wirkt das Ergebnis, wenn die Unschärfe zu den erkennbaren räumlichen Beziehungen passt.

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