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Glossar: Studioplanung und Akustik

RT60 (Nachhallzeit)

Die Zeit, in der der Nachhallpegel nach Abschalten einer Schallquelle um 60 Dezibel abfällt.

Studioplanung und Akustik

Definition

RT60 bezeichnet die Zeit, in der der Nachhallpegel eines Raumes nach Abschalten der Schallquelle um 60 Dezibel abfällt. Sie beschreibt das Abklingverhalten unter festgelegten Bedingungen. Die gemessenen Werte können je nach Frequenz, Messposition, Raumnutzung und Messverfahren unterschiedlich ausfallen.

Funktionsweise

In einem nachhallenden Raum wird Schall auch nach dem Abschalten der Quelle weiter reflektiert. RT60 beschreibt den Pegelabfall vom Schallpegel vor dem Abschalten auf einen um 60 Dezibel niedrigeren Wert. Bei störenden Hintergrundgeräuschen lässt sich dieser vollständige Abfall häufig nicht erfassen. In der Praxis wird die Nachhallzeit deshalb oft aus einem kürzeren Abschnitt der gemessenen Abklingkurve hochgerechnet. Für einen aussagekräftigen Vergleich müssen Auswertung und verwendetes Verfahren nachvollziehbar angegeben werden.

Ein Raum besitzt keinen universellen RT60-Wert, der für alle Frequenzen gilt. Einrichtung, Oberflächenmaterialien, Raumvolumen und der Aufbau der Begrenzungsflächen wirken sich auf die einzelnen Frequenzbänder unterschiedlich aus. Ein breitbandiger Mittelwert kann einen zu lange nachklingenden Bassbereich oder sehr kurze Abklingzeiten bei hohen Frequenzen verdecken. Auch die Messposition spielt eine Rolle: Das Schallfeld ist nicht überall gleichmäßig, insbesondere in kleinen Räumen.

Zur Messung von RT60 wird der Raum üblicherweise mit einem Testsignal angeregt und das anschließende Abklingen aufgezeichnet. Alternativ lässt sich eine geeignete Impulsantwort auswerten. Hintergrundgeräusche, die Richtwirkung der Schallquelle, der Frequenzgang des Mikrofons und die Raumgeometrie beeinflussen das Ergebnis. Händeklatschen oder eine Smartphone-App können erste Hinweise auf Probleme geben, ersetzen jedoch keine kalibrierte akustische Untersuchung.

Bedeutung für die Praxis

Das Abklingverhalten beeinflusst, wie deutlich aufeinanderfolgende Schallereignisse voneinander getrennt wahrgenommen werden. Eine lange Nachhallzeit kann in einem kleinen Produktionsraum Sprache und musikalische Details verschmieren. Bei musikalischen Darbietungen kann ein lebendigerer Nachhall dagegen erwünscht sein. Regieräume benötigen grundsätzlich akustische Bedingungen, die verlässliches Abhören ermöglichen. Welche Zielwerte sinnvoll sind, hängt jedoch von Raumgröße, Nutzung und Abhöranordnung ab.

RT60 hilft dabei, das akustische Verhalten von Räumen zu beschreiben und zu vergleichen. Sie liefert außerdem Hinweise für die Planung raumakustischer Maßnahmen. Allein beschreibt sie jedoch weder den Frequenzgang noch die zeitliche Lage von Echos, die Stereoabbildung oder die Schallübertragung in andere Räume. Zwei Räume mit derselben angegebenen Nachhallzeit können deshalb unterschiedlich klingen: Reflexionen, Abmessungen und die spektrale Balance können deutlich voneinander abweichen.

Messung und Interpretation

Eine aussagekräftige Untersuchung erfasst das Abklingen in einzelnen Frequenzbändern und verwendet reproduzierbare Positionen für Schallquelle und Mikrofon. Der Raum sollte sich im üblichen Betriebszustand befinden, einschließlich Einrichtung und Türstellungen. Das Testsignal muss ausreichend über dem Hintergrundgeräusch liegen. Ändern sich die Bedingungen, etwa durch zusätzliche Personen oder Geräte, kann sich auch die gemessene Nachhallzeit verändern. Solche Unterschiede gehören daher in die Messdokumentation.

EinflussgrößeAuswirkung auf die InterpretationEmpfohlene Vorgehensweise
FrequenzbandDie Abklingzeit kann je nach Frequenz erheblich variieren.Ergebnisse für die einzelnen Frequenzbänder ausweisen.
HintergrundgeräuscheVerdecken den leisen Ausklang der Abklingkurve.Mit ausreichendem Signalpegel und möglichst geringem Störpegel messen.
PositionDas akustische Raumverhalten unterscheidet sich je nach Standort.Für die Nutzung relevante Positionen wählen und dokumentieren.
MessverfahrenUnterschiedliche Auswertungsverfahren können zu unterschiedlichen Schätzwerten führen.Das Verfahren angeben und nur vergleichbare Ergebnisse gegenüberstellen.

Ein einzelner RT60-Wert ist noch keine Handlungsanweisung für die akustische Optimierung. Eine lange Abklingzeit bei einer bestimmten Frequenz kann andere Maßnahmen erfordern als eine frühe Reflexion oder eine ausgeprägte modale Pegelüberhöhung. Poröse Absorber und Bassfallen wirken je nach Konstruktion in unterschiedlichen Frequenzbereichen. Ein Diffusor verteilt Reflexionen in andere Richtungen, statt einfach nur die Nachhallzeit zu verkürzen. Messungen sollten deshalb immer mit Hörtests und einer klaren Vorstellung vom Nutzungszweck des Raumes verbunden werden.

Praxisbeispiel

Ein Medienraum in Dubai wird für den Schnitt gesprochener Interviews und die Beurteilung von Musik genutzt. Das Schnittteam empfindet das Abhören von Dialogen als anstrengend. Zugleich unterscheiden sich die akustischen Bedingungen im eingerichteten und im unmöblierten Zustand. Ein Akustikberater misst die Abklingzeiten in Frequenzbändern mit einer gleichbleibenden Lautsprecher- und Mikrofonanordnung. Zunächst wird im normalen Nutzungszustand gemessen, anschließend mit freigeräumter Bodenfläche.

  1. Messpositionen, Pegel der Schallquelle, verwendetes Mikrofon und Raumeinrichtung dokumentieren.
  2. Prüfen, ob der auszuwertende Abklingverlauf ausreichend über dem Hintergrundgeräusch liegt, um eine belastbare Schätzung zu ermöglichen.
  3. Die Ergebnisse der einzelnen Frequenzbänder betrachten, statt sich auf einen einzigen Mittelwert zu verlassen.
  4. Klären, ob das Hauptproblem im gesamten Abklingverhalten, einem schmalbandigen Nachschwingen im Bass oder einer frühen Reflexion liegt.
  5. Eine gezielte Änderung vornehmen und unter ansonsten gleichen Bedingungen erneut messen. Anschließend Sprache und Musik probehören.

Die Ergebnisse zeigen ein unausgewogenes Abklingverhalten über der Frequenz. Das Team wählt daher Maßnahmen für den auffälligen Bereich, statt die Absorption im gesamten Raum gleichermaßen zu erhöhen. Die Dokumentation hält den ursprünglichen Messaufbau und das Verfahren fest, damit spätere Ergebnisse sinnvoll vergleichbar bleiben. Als der Raum Monate später umgestaltet wird, misst das Team erneut an denselben Positionen. Erst danach beurteilt es, ob sich das Abklingverhalten verbessert oder verschlechtert hat.

Häufige Fehler

  • RT60 als eine einzige feste Zahl zu betrachten, blendet Unterschiede zwischen Frequenzen und Messpositionen aus.
  • Ergebnisse aus unterschiedlichen Verfahren oder Raumzuständen zu vergleichen, kann eine vermeintliche Veränderung nahelegen, die tatsächlich auf den abweichenden Messbedingungen beruht.
  • Händeklatschen als präzise Messung zu verwenden, ignoriert die Grenzen der Schallquelle, des Mikrofons und des Störabstands.
  • Die Nachhallzeit ohne Rücksicht auf die musikalische Nutzung oder den Aufnahmezweck möglichst stark zu verkürzen, kann einen unangenehm trockenen Raum ergeben.
  • RT60 mit Schalldämmung gleichzusetzen, verwechselt das Abklingen innerhalb eines Raumes mit der Schallübertragung zwischen Räumen.

Geben Sie zusammen mit den Ergebnissen stets Messverfahren, Frequenzbänder und Raumzustand an. RT60 ist eine hilfreiche Kenngröße für das Abklingverhalten eines Raumes. Sie ist jedoch weder eine umfassende Bewertung seiner akustischen Qualität noch eine Garantie dafür, wie eine Aufnahme darin klingen wird.

Häufige Fragen

Wofür steht RT60?

RT steht für den englischen Begriff „Reverberation Time“, also Nachhallzeit. Die Zahl 60 bezeichnet den Pegelabfall um 60 Dezibel nach dem Abschalten der Schallquelle. Erfasst wird damit, wie lange der Nachhall im Raum abklingt. Wenn sich der vollständige Abfall nicht zuverlässig messen lässt, wird dieser Zeitwert häufig aus einem kürzeren Abschnitt der Abklingkurve hochgerechnet.

Ist RT60 bei jeder Frequenz gleich?

Nein. Ein Raum kann in verschiedenen Frequenzbändern deutlich unterschiedliche Nachhallzeiten aufweisen. Materialien, Einrichtung und Raumbegrenzungen absorbieren nicht alle Frequenzen gleichermaßen. Ein unauffälliger Mittelwert schließt daher beispielsweise einen lange nachklingenden Bassbereich nicht aus. Für die Beurteilung und die Auswahl geeigneter Maßnahmen sind frequenzbandbezogene Ergebnisse aussagekräftiger als eine einzige zusammengefasste Zahl.

Kann ich RT60 durch Händeklatschen messen?

Händeklatschen kann auffällige Reflexionen oder einen deutlich hörbaren Nachhall erkennen lassen. Als verlässliche, kalibrierte RT60-Messung eignet es sich jedoch nicht. Anregung, Mikrofon und Hintergrundgeräusche begrenzen die Aussagekraft. Für belastbare Ergebnisse sind ein geeignetes Messsignal, eine nachvollziehbare Auswertung und dokumentierte Messpositionen erforderlich. Ein kurzer Hörtest kann eine solche Untersuchung ergänzen, aber nicht ersetzen.

Bedeutet eine kürzere RT60 immer einen besseren Raum?

Nein. Die passende Nachhallzeit hängt von Raumgröße, Nutzungszweck, frequenzabhängigem Verhalten und den Anforderungen beim Abhören ab. Für Sprachschnitt oder kritisches Abhören kann ein kontrolliertes Abklingen wichtig sein, während musikalische Darbietungen von einem lebendigeren Raum profitieren können. Entscheidend ist nicht der niedrigste Wert, sondern ein zur Nutzung passendes, ausgewogenes Abklingverhalten.

Misst RT60 die Schalldämmung?

Nein. RT60 beschreibt, wie Schall innerhalb eines Raumes abklingt. Sie sagt nicht aus, wie viel Schall durch eine Wand oder Tür in einen anderen Raum gelangt. Nachhallkontrolle und Schalldämmung betreffen unterschiedliche akustische Aufgaben. Eine kürzere Nachhallzeit allein belegt deshalb keine bessere Abschirmung gegenüber benachbarten Räumen.

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